Betroffene Lemminge (II)
Nach einem 11-minütigem Telefongespraech auf meine Kosten war ich von meiner gefuehlten Sicherheit her nicht unbedingt weiter.
Der freundliche, saechselnde und in beruhigendem Tonfall sprechende Polizeibeamte hoerte sich sicherlich geduldig meine Ausfuehrungen von wegen Verweigerung an, war ja auch sein Job. Und ich muss zugeben, das Gespraech haette nicht einmal so lange dauern muessen. Die Nachfragen haetten auch ganz einfach abgeschnitten werden koennen, aber – es war spannend, die ganzen Argumente noch einmal zu hoeren. Die, welche sich tatsaechlich mehr wie die Zeitungsversionen anhoerte. Rhetorische Spitzenklasse. Hier kein kooperativer Lemming zu werden ist schwierig – mit diesem schlechten Gewissen; weil es der Polizei damit doch das Leben schwer macht.
Auf der Sollseite stehen jetzt also einige Informationen, welche die Polizei in Sachsen nun von mir haben koennte und die beim dialogischen Durchspielen der verschiedenen anderen Moeglichkeiten nebenbei gegeben wurden.
Ich braeuchte ja nur zur nahegelegenen Dienststelle (Wechsel des Wohnortes) gehen und bestaetigen lassen, dass ich groesser bin (Koerpergroesse als zwingender Verdachtsmoment 1,65 – 1,85!). Oder, sie koennten diese Dienststelle auch vorbereiten und dann koennte mir dort die Probe entnommen werden. Ja, es waere ueblich, dass ich bei einer Wohnsitzaenderung nicht abgemeldet werde, es geht um Geld und… Wissen Sie ja. Ja, das mit dem Geburtsdatum waere schon schwierig, aber der mit mir sprechende Polizeibeamte wurde ja auch verdaechtigt und hat brav mitgespielt. (Ahja…) Ich koennte ja auch einfach ein Alibi vorweisen! (Dummerweise erinner ich mich sehr oft nicht einmal an das, was ich letzte Woche gemacht habe.) Und es koennten ja auch meine Eltern befragt werden. Ich sollte doch bitte Verstaendnis haben (hab ich, Unmengen…), es gaebe sonst keine Moeglichkeit, den Taeter zu erwischen und der koennte ja jederzeit wieder… Es waere doch ganz einfach, sich von jeglichem Verdacht freizumachen. (Bitte?)
Wenigstens wurden mir die verschiedenen Verdachtsmomente noch einmal erklaert – hier offenbarte ich wohl eine Wissensluecke, Anfangsverdacht etc. und dass ich natuerlich nicht hochgestuft werde, wenn ich den Reihentest verweigere. Danke dafuer – mehr interessierte mich eigentlich nicht.
Dann vertrau ich hier mal dem deutschen Rechtsstaat.



Ich hab eben mal getickert. Feine Aktion. Ich bin mal gespannt, was nachkommt, ist schon ein paar Jahre her, da hat ein Freund in Muenchen auch die Einladung bekommen, wollte lange Zeit nicht und ging dann nach ein paar Wochen doch, weils unertraeglich geworden waere. Ich hoff mal, dass das angesichts des weitwegseins entspannter bleibt bei dir.
Kommentar vom 21. März 2007, 12:26 Uhr.Na klasse, ich steh im Gulli.
Kommentar vom 21. März 2007, 12:51 Uhr.Erst die Verdaechtigungen, nun dass… geht es noch tiefer? ;)
schon ein bisschen bloed nen alibi fuer irgendwelche tage im jahr 2005/2006 zu bekommen (vor allem so als student, wo man kommt und geht wie man will und folglich keinen urlaub beantragt).
Kommentar vom 21. März 2007, 14:07 Uhr.Nein, tiefer gehts nicht. Ich hab soeben dein Leben zerstoert.
Kommentar vom 21. März 2007, 15:20 Uhr.*psst* Willst du ein Alibi kaufen?
Kommentar vom 22. März 2007, 12:56 Uhr.Es ist im Prinzip doch einfach: Immer daran denken, daß man selbst die besseren Argumente hat. Die der Polizei sind ja bloß ärmlich. Immer die Bullen kommen lassen, schlecht erreichbar sein, mit großen Verzögerungen antworten, wenn überhaupt. DIE wollen was von Ihnen. Und dann sollen sie mal bitte deutlich und argumentativ überzeugend erklären, wo die Verbindung zwischen Ihrer Person und den beiden Fällen liegt. Sie können keine Verbindung erkennen, niemand außer den Bullen kann das, auch Ihr Anwalt nicht. Sie müssen weder zu Ihrer Körpergröße noch zu Ihrem Alter Stellung nehmen. Und wenn die Staatsdiener Probleme mit dem Begreifen haben, sollten Sie ihnen noch einmal deutlich und zum Mitschreiben erläutern, daß Sie prinzipiell nicht die Arbeit anderer Leute erledigen, sondern nur Ihre eigene. Einfach gesagt: Solange die keine hieb- und stichfesten Beweise gegen Sie vorlegen können, sind Sie zu überhaupt nichts verpflichtet und müssen sich auch nicht äußern (danach übrigens auch nicht).
Kommentar vom 22. März 2007, 14:04 Uhr.Danke fuer die Hinweise – auch wenn das mit dem Stress machen in beide Richtungen funktioniert…
Kommentar vom 23. März 2007, 17:24 Uhr.L-Roy, je nachdem wie sich die Sache entwickelt, komm ich auf das Angebot zurueck :)