Denn wir sind anders.

Weil mich das Buch jetzt schon einige Zeit herumtreibt…

Berlin. Wendezeit +10.

Kein Sonnenallee-Verschnitt, vielmehr eine grau-duestere und stellenweise etwas holprige Dokumentation. Das Grund-Thema, das Sitzen zwischen allen Stuehlen entwickelt sich durch zwei verschiedene Faeden, zum Einen die Geschichte des Felix S. – dem sensiblen Kickboxer, zum Anderen durch die Geschichte seiner Grosseltern, Vorzeige-Objekte des kommunistischen Kampfes gegen den Imperialismus. Gemein ist beiden letztlich die Aufloesung jedweder Ordnung und Orientierung, sowie der staendige Kampf gegen bestehende. Ich glaube, es ist nicht zuviel verraten: es gibt kein Happy End. Am Ende bleiben die Fragezeichen – stilistisch durchaus passend.

Seine Staerke gewinnt Die Geschichte des Felix S. fuer mich durch die eingestreuten Erinnerungsfetzen (welche teilweise ueberraschend tief an einem Heimatgefuehl andocken konnten) und letztlich sogar durch den Blick aus der beobachtenden, nur marginal beteiligten Position. Der Hintergrund und die Betroffenheit der Autorin, vor allem in der Distanz zur Welt von Felix, ist deutlich zu spueren. Fragen nach dem Sinn bewegen sich so zum grossenTeil auf der rhetorischen Ebene, im Vergleich zu No llores mi querida, beispielsweise. Aber darum geht es ja auch gar nicht…

Die meisten schlimmen Dinge passieren wohl, wenn es ums Prinzip geht und nicht mehr um den Einzelnen.

Abschliessend… [Trailer!]

Die Herausarbeitung der Extremen (Widersprueche) – nicht nur farbig, sondern deutschnationaler Elite-Hool, nicht nur Kickbox-Meister, sondern auch bach-hoerender Hobbypsychologe, nicht nur aktives Mitglied der ANC, sondern auch direkter Foerderer von Mandela, etc. – wirkt manchmal wie zu viel gewollt, schon fast stereotyp. Geschichten, die das Leben schreibt… ?

Posted Juni 4th, 2009 in Alle gemein, mad construct.

6 Kommentare:

  1. Korrupt:

    Das war jetzt fuer den Nichtkenner des Titels eine etwas kryptische Buchbesprechung, die fuer mich dann immer automatisch ein “Ich will da jetzt gar nicht fuer die Leser schreiben, die das Buch noch nicht kennen, sondern direkt uebers Buch oeffentlich nachdenken, weils mich beschaeftigt,. und ich muss das jetzt gleich tun, eben deswegen” aussagt. Das mag ich, und dass es ueber deinen Amazon-link grade nicht mehr verfuegbar ist, ist meine Schuld.

  2. madchiq:

    Ich arbeite an meiner Kryptographie.
    Sorry ein wenig dafuer, auch wenn ich schon der Meinung bin, dass wenigstens die Buchbeschreibung jede/r selbst lesen mag.

  3. Der Begriff geschmackloser, fader und sentimentaler und zweckloser Literatur… | Tales from the Mac Hell:

    [...] eins steht noch aus. Es mag grade einiges etwas stressig seinm, aber die Lage an der Lesefront hat sich eben derbe [...]

  4. st.:

    so. und das letzte GEBRAUCHTE exemplar wäre dann jetzt auch wegverkauft. nach berlin. zu mir quasi. weil der herr richie sich ja unbedingt das letzte NEUE exemplar unter den nagel reissen musste.

  5. madchiq:

    Ihr macht Sachen…

  6. Denn wir sind anders. Von Jana Simon. Buchrezi, mal wieder | Tales from the Mac Hell:

    [...] stieß mich drauf und “Denn wir sind anders” von … war ungefähr wie erwartet ein Buch zum in einem [...]

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