Archive for the ‘mad construct’ Category

Denn wir sind anders.

Weil mich das Buch jetzt schon einige Zeit herumtreibt…

Berlin. Wendezeit +10.

Kein Sonnenallee-Verschnitt, vielmehr eine grau-duestere und stellenweise etwas holprige Dokumentation. Das Grund-Thema, das Sitzen zwischen allen Stuehlen entwickelt sich durch zwei verschiedene Faeden, zum Einen die Geschichte des Felix S. – dem sensiblen Kickboxer, zum Anderen durch die Geschichte seiner Grosseltern, Vorzeige-Objekte des kommunistischen Kampfes gegen den Imperialismus. Gemein ist beiden letztlich die Aufloesung jedweder Ordnung und Orientierung, sowie der staendige Kampf gegen bestehende. Ich glaube, es ist nicht zuviel verraten: es gibt kein Happy End. Am Ende bleiben die Fragezeichen – stilistisch durchaus passend.

Seine Staerke gewinnt Die Geschichte des Felix S. fuer mich durch die eingestreuten Erinnerungsfetzen (welche teilweise ueberraschend tief an einem Heimatgefuehl andocken konnten) und letztlich sogar durch den Blick aus der beobachtenden, nur marginal beteiligten Position. Der Hintergrund und die Betroffenheit der Autorin, vor allem in der Distanz zur Welt von Felix, ist deutlich zu spueren. Fragen nach dem Sinn bewegen sich so zum grossenTeil auf der rhetorischen Ebene, im Vergleich zu No llores mi querida, beispielsweise. Aber darum geht es ja auch gar nicht…

Die meisten schlimmen Dinge passieren wohl, wenn es ums Prinzip geht und nicht mehr um den Einzelnen.

Abschliessend… [Trailer!]

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Da war doch was…

… und zwar die leidige Geschichte mit den Updates.

Wer einen Blick nach ganz unten riskiert, wird eine ziemlich niedrige Versions-Nummer erkennen. Und nein, die ist kein Fake.

Nach zwei Stunden Versuch, die aktuelle Version draufzubuegeln, geb ich jetzt entnervt auf. Ich hab keine Zeit fuer diesen Kram (mehr). Zumal die Updates ja in ziemlicher Regelmaessigkeit auftauch(t)en. Und obwohl sie bei einem ungetunten Blog relativ problemlos abliefen; sobald einige Anti-Spam-Basteleien und Co. hinzukamen, wurde und wird es kompliziert. Gleichzeitig mag ich “meine” Freiheit auch nicht aufgeben und mich an irgendein Blogprojekt dranhaengen.

Dilemma, dischafe, doof!

Jemand Rat?

NOSP

Auch nach einer Nacht drueber schlafen, halte ich den SPONtanen Boykottaufruf (via) noch fuer eine gute Idee und da ich zufaellig auch noch das Grafikprogramm offen hatte, steck ich den naechsten Button dazu:

NOSP

Autonomer Blog

Von Korrupt, als sowieso etwas duesterem Gesellen war ja solidarisch nix anderes zu erwarten:

Schwarzer Blog

:tAXMAN: geht dazu unterdrueckend auf Distanz:

Distanzierer

Und da ja alle anderen auch schoen in eine Schublade passen muessen, gibets hier meinen Beitrag:

Autonomer Blog

Betroffene Lemminge – Das Ende?

Anruf. 9 Uhr am Morgen. Das die Vorwahl 0351 ist, krieg ich – gerade im Schichtwechselstress – gar nicht so richtig mit.

Landeskriminalamt Sachsen. Ich steh automatisch in Habacht-Stellung. Da war doch was…

Voellig unnoetig. Freundlich werde ich aufgeklaert, dass ich von der Liste (der Verdaechtigen) gestrichen wurde. Mein Lichtbildausweis wurde wohl noch einmal ueberprueft (also wohl eher nicht der, den ich immer bei mir fuehre) und dabei wurde festgestellt, dass die Koerpergroesse nicht uebereinstimmt. (Stimmt!)

Trotzdem waeren da natuerlich noch ein paar Nachfragen, warum ich denn noch dort gemeldet bin und was das mit meinem Zweitwohnsitz noch so auf sich haette. Ob mich der freundliche Beamte dort abmelden soll… und eins, zwei Floskeln spaeter noch das “Schoenen Tag!”.

Jo, tschuess vorerst. Ich befuerchte, wir sprechen uns bei der naechsten Fahndung wieder.

Nachtrag:

Geschnappt und verurteilt zu 11 Jahren.

Ermittelt wurde der Täter dann freilich mit vergleichsweise traditionellen Methoden – er ging durch eine Zug um Zug verfeinerte Rasterfahndung ins Netz. (via)

Rasterfahndung. Wobei der Gentest selbstverstaendlich auch erfolgreich gewesen waere. Den hat der boese Kinderschaender natuerlich auch mitgemacht.

Betroffene Lemminge (II)

Nach einem 11-minütigem Telefongespraech auf meine Kosten war ich von meiner gefuehlten Sicherheit her nicht unbedingt weiter.

Der freundliche, saechselnde und in beruhigendem Tonfall sprechende Polizeibeamte hoerte sich sicherlich geduldig meine Ausfuehrungen von wegen Verweigerung an, war ja auch sein Job. Und ich muss zugeben, das Gespraech haette nicht einmal so lange dauern muessen. Die Nachfragen haetten auch ganz einfach abgeschnitten werden koennen, aber – es war spannend, die ganzen Argumente noch einmal zu hoeren. Die, welche sich tatsaechlich mehr wie die Zeitungsversionen anhoerte. Rhetorische Spitzenklasse. Hier kein kooperativer Lemming zu werden ist schwierig – mit diesem schlechten Gewissen; weil es der Polizei damit doch das Leben schwer macht.

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Betroffene Lemminge

Vorneweg, ich habe nichts zu verbergen.

Wenn allerdings Post fuer mich zu meinen Eltern kommt, beschleicht mich immer ein ungutes Gefuehl. Niemand hat diese Adresse, bis auf ein paar alte Geschichten. Zum Beispiel der Bund. Bertelsmann.

Oder aber die Polizei.

Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Dresden, Aktenzeichen: xxx, wegen schweren, sexuellen Missbrauch eines 9- und eines 11-jaehrigen Maedchens am 06. September 2005 in Dresden Hellerau und am 10. Januar 2006 in Coswig.

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Beschleunigung

Prof. Dr. Hartmut Rosa sprach heute… in bunt und Farbe und… wenn gewollt, auch zum Anfassen.

Und seine soziologische Theorien von der Beschleunigung (Zeit wird knapper, Zeit wird immer schneller) sprechen eine differenziertere Sprache, als die allgemeine Panikmache von wegen zu wenig Zeit und zuviele Baustellen. Die Einteilung in die drei Dimensionen Technik (welche eigentlich Zeit freisetzt), sozialer Wandel und Lebenstempo ist eingaengig und laesst einen genaueren Blick auf leistungorientiertes, schnelleres Arbeiten mit weniger Pausen und das hochgepuschte Multitasking werfen. (Zwischenverweise auf Dimensionen die sich nicht beschleunigen und die fehlende Beruecksichtigung der Beschleunigung in den aktuellen, soziologischen Werken bringe ich hiermit auch nur verkuerzt.)

Das in diesem Dreiecksverhaeltnis die oft verdammte Technik nicht schuld sein kann, macht auch Sinn. Auch das mit der kulturellen Eigenart der Endlichkeit des Lebens und damit der Sehnsucht nach moeglichst viel zu Lebenden… am Besten zwei (oder mehr) Leben vor dem Tod.

Dann ging es allerdings ans Eingemachte, an die Ursachen. Und da knickt die Theorie fuer mich an mindestens zwei Punkten ein. Gefolgt werden kann sicherlich noch, dass das inzwischen dominierende Wettbewerbsprinzip Konkurrenz foerdert und damit Leistung (im Wesentlichen halt die Ressource Zeit) fordert. Und zwar alle Sozialsphaeren betreffend. Das Ziel ist irgendwann nicht mehr die Verwirklichung einer wie auch immer gearteten Individualitaet, sondern ein staendiges Aufruesten der eigenen Wettbewerbsfaehigkeit. Mit dem Bewusstsein, dass sonst automatisch ein Rueckschritt erfolgt. Sehr spannend der Vergleich mit einem totalitaeren System, indem ein Mensch nachts schweissgebadet aufwacht und nicht mehr kann. Willkommen im Hamsterrad der strukturellen Gewalt.

Erwaehnt wurde der dahinter steckende Fortschrittsgedanke, welcher imho jedoch expliziter ausgefuehrt werden muesste, um eine Entschleunigung denkbarer zu machen. Leider verlief die Diskussion in der polemischen Arzneimittel-Entwicklung und die Verteidigung der sozialen Marktwirtschaft. Und die Bilder von ueberfahrenen Froeschen und abrutschenden Haengen warfen – in der erlesenen Runde mit ihrer paedagogischen, elitesensiblen Denktradition – genaugenommen auch mehr Fragen auf…

Das Rosa keine Loesung fuer die aufgezeigten Problematiken liefern konnte, brachte Sympathiepunkte, aber auch eine gewisse Nichtbefriedigung. Sein Buch, Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne ist sicherlich eine Empfehlung wert. Ich denke, mit dem Geruest laesst sich noch einiges leisten.